Jet Magnum

Ein Dankeschön an unseren Fahrlehrer

An dieser Stelle möchten wir jemandem danken, der es uns überhaupt erst möglich gemacht hat, in dieser kurzen Zeit so weit zu kommen. Unserem geschätzten Fahrlehrer, der immer die Geduld mit uns hatte und uns alles über das Motorradfahren beigebracht hat.

Wir haben unseren Fahrlehrer immer „Jet“ genannt. Aus dem einfachen Grund, weil er in seiner Jugend Tischfußball-Weltmeister war und auch eine spezielle Schußtechnik entwickelt hat. Den sogenannten „JET Schuss“ (nachzulesen im Internet).

Jet fand es anscheinend witzig, dass wir ihn so nannten, zumindest musste er immer lachen. Schon bei der ersten Fahrt hat er uns gleich beigebracht, worauf es beim Motorrad fahren ankommt. Sein Lieblingssatz war: „Ruhig und langsam“. Als Drago bei seiner ersten Fahrt unterwegs war, fuhren Jet und Anselm im Fahrschulauto hinter ihm her. Immer in direkter Funkverbindung zu Jet. Als die erste Ampel kam fuhren Anselm und Jet noch durch die Gelbphase, Drago jedoch kam nicht mehr drüber und musste anhalten. Jet stoppte das Auto hinter der Kreuzung an der Seite und wartete. Leider wusste Drago noch nicht so recht, wie man mit dem Motorrad anfährt und als es Grün wurde, würgte er den Motor ab. Ein Mal, zwei Mal und immer wieder. Die Autos hinter Drago wurden ungeduldig und er immer nervöser.

Anselm, der neben Jet saß, sagte ihm, dass er Drago vielleicht mal per Funk Anweisungen und Hilfe geben könnte. Also nahm Jet das Funkgerät und sagte trocken: „Ruhig und Langsam“. Anschließend sagte er zu Anselm: „Der fühlt sich wohl, das sieht man an seiner Haltung“.

Das war das sogenannte kalte Wasser, in das wir geworfen wurden. Nach weiteren Anläufen schaffte es Drago aber das Motorrad wieder in Bewegung zu setzen. Danach würgte er es nie mehr ab. Durch diese Aktion hatte er es gelernt. Wenn auch auf etwas unkonventionellem Wege.

Wir wussten nun wie Jets Methoden sind und waren auf alles gefasst.

Anselm bekommt einen feuchten Futzi von Jet

Eine Tradition wurde das Magnum an den Tankstellen. So kam es jedes Mal dazu, wenn wir an eine Tankstelle fuhren, dass Jet ausstieg, um zu bezahlen und mit einem Magnum-Eis raus kam. Seither war er -Jet Magnum- für uns!

Das erste Mal auf der Autobahn erging es Anselm und Drago gleich. Jet fuhr diesmal hinterher und gab die Anweisungen über Funk. Auf der A5 angekommen, rief er nur noch :“Gib Gas Junge“. Obwohl das Motorrad bereits auf 170kmh war und der Fahrtwind lautstark jedes andere Geräusch schluckte, konnte man Jet immer noch durch den Funk brüllen hören: „Gib Gas Junge“. Auch auf diese Art haben wir gelernt, jede Angst vor der Autobahn zu verlieren. Natürlich war Jet immer darauf bedacht, dass die Sicherheit an erster Stelle kam. Diese Aktionen waren nur möglich bei freier Bahn, sehr wenig Verkehr, guter Fahrbahn und gutem Wetter. Zu keiner Zeit fühlten wir uns unsicher.

Jet selbst war ein gesprächiger und lustiger Typ. Da Anselm und Drago immer zusammen die Fahrstunden absolvierten, konnte immer einer bei Jet im Auto sitzen und mit ihm plaudern.  Hierbei erfuhren wir interessante und lustige Dinge. Zum einen, dass Jet mehrfacher Weltmeister im Tischfußball war und eben den Jet-Schuss erfunden hat und, dass er auch damals Karate gemacht hat und eigentlich ein ziemlich harter Kerl ist. Das er so manchen aus einer gefährlichen Lage gerettet hatte und Zivilcourage bewies. Man sollte sich eben nicht mit jemandem anlegen der Vollkontakt- Karate kann.

Wir hatten viel Spaß mit Jet und haben nicht nur viel gelernt, sondern auch gelacht. So kam er eines Morgens leicht humpelnd an und wir fragten ob alles Ok sei. Er erzählte uns, dass er sich eine Vibrationsplatte gekauft hatte, um sich etwas fit zu halten. Er stellte sich eine Stunde darauf und laß später in der Anleitung, dass man nur 10 Minuten darauf stehen sollte. Wir konnten nichts anderes, als uns alle drei kaputt zu lachen. Solche Art von Storys kamen fast jedes Mal aufs Neue.

Das Funkgerät liegt im Motorraum

Bei den Grundfahraufgaben stand er neben seinem Auto und gab uns über Funk Anweisungen. Nach einer Weile machte er die Kühlerhaube seines Autos auf, um das Wischwasser nachzufüllen. Anschließend knallte er die Haube wieder runter. Doch diese schloss nicht richtig. Selbst größte Gewalteinwirkung half nichts. Jet wurde sichtlich aufgebracht, bis Drago zu ihm kam und feststellte, dass er das Funkgerät im Motorraum hat liegen lassen. Wir mussten alle lachen.

Manchmal war Jet aber auch einfach ein klein wenig durcheinander. So kam es ein mal während einer Fahrt, als Drago mit dem Motorrad fuhr und Anselm neben Jet im Auto saß, zu einem kleinen Missverständnis. Jet gab Drago Anweisungen per Funk, aber Drago reagierte nicht auf die Ansagen. Jet sagte, er solle abbiegen, aber Drago fuhr weiter. Das passierte zwei mal, bis Jet etwas aufgebracht wurde. „Warum biegt der nicht ab, wenn ich ihm das sage?“ Anselm hatte die richtige Vermutung und meinte, dass Drago ihn nicht hört, weil vermutlich die Batterien des Funsk leer sind. Das entsprach auch der Tatsache. Jet nahm in diesem Moment das Funkgerät und sagte: „Du hörst mich nicht weil die Batterien alle sind, fahr mal rechts ran.“ Anselm musste lachen und meinte, dass Drago ihn doch nicht hören könne. Nach einem leicht verschämten „Ach so, stimmt ja“, mussten beide Lachen.

Eine der wohl besten Geschichten von Jet, die uns nachhaltig zum Lachen bringt, war die über seine Zeit als Moto GP Fahrer. Jet erzählte uns, dass er in seiner Jugend auch Moto GP gefahren ist. Hierbei hat es sich in einem Rennen ereignet, dass er von einem anderen Fahrer getroffen wurde und vom Motorrad fiel. Dies geschah bei fast 200 kmh und er ist etliche Meter weit über den Asphalt geschleift. Zum Glück trug er keine Verletzungen davon, da er eine komplette Leder Kombi bei dem Rennen trug und bestmöglich geschützt war. Aber er erzählte uns die Geschichte mit einem witzigen Unterton in dem er meinte, dass er über die Fahrbahn geschleift ist und einen mords Strich gezogen hat. Wir dachten sofort an einen ganz dicken Bleistift.

Ab dem Zeitpunkt ging es uns nicht mehr aus dem Kopf, dass man bei einem solchen Ereignis wohl der dicke Bleistift ist. Ein Running Gag entstand, bei dem wir uns gegenseitig immer sagten: „Keine Angst vom Runterfallen beim Fahren, sei der dicke Bleistift und dir passiert nichts“. Eine Philosophie, die wir Jet zu verdanken haben.

Wir haben Jet viel zu verdanken. In erster Linie, dass wir das Motorrad fahren gelernt haben und uns dabei sicher fühlen. Auf seine Art hat er uns zum Lachen gebracht und uns dabei alles Wichtige beigebracht. Sollten wir jemals wieder auf den Gedanken kommen noch weitere Führerscheine zu machen, zum Beispiel für ein Gleiskettenfahrzeug, dann werden wir dies nur bei Jet tun.

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