Da steppt der Bär!
Nach einer etwas erfrischenden Nacht kamen wir am nächsten Morgen leicht neben der Spur wieder zu uns. Über Nacht ist es noch mal richtig kalt geworden, sodass wir die Zeltheizung immer wieder an manchen mussten, um nicht mit Eiszapfen an der Nase aufzuwachen. Das hat natürlich dazu geführt, dass der Schlaf eher weniger erholsam gewesen ist. Am Abend zuvor haben wir das Zelt schnell aufgebaut, was gegessen und unser ganzes Zeug ins Zelt geschmissen. Jetzt sahen wir das es ein klein wenig „Verwohnt“ aussieht. Aber ein bisschen Chaos gehört auch dazu, wenn zwei Kerle alleine auf Reisen gehen.

Jetzt aber erst mal das typische Morgenritual zum Wachwerden: Rein in die Klamotten, frisch gemacht, einen harten Biker Kaffee zubereitet und das Zelt in seine Einzelteile zerlegt. Wir waren immer wieder begeistert, wie schnell wir bei Aufbau und Abbau des Zeltes mittlerweile geworden sind. Wo wir am Anfang noch eine gefühlte Ewigkeit gebraucht haben, bewegten wir uns nach über einer Woche schon in Richtung Formel 1 Boxenstopp. Jeder Handgriff sitzt und machte mit jedem Mal mehr Spaß.
Nachdem alles erledigt und an den Twins verstaut war, musste nur noch die Kette etwas gefettet werden und dann ging es auch schon los. Der Plan war es, um die 600 Kilometer an diesem Tag zu schaffen. Wir wussten das Pläne zwar nicht immer auf gehen, aber so langsam sehnten wir uns nach etwas wärmerem Klima und das war es, was uns in der Spätsommerlichen Heimat erwartete.

Das Wetter war jedoch auch hier wieder fantastisch. Klar war die Luft kalt, aber die Sonne schien und es war überall trocken, sodass beste Straßenverhältnisse herrschten. Es war natürlich auch immer wieder ein Traum, durch die wunderschöne schwedische Natur zu fahren. Wobei wir feststellten, dass langsam die Einsamkeit der Urbanisierung wich. Immer mehr kleine Städte passierten wir auf unserem weg und die Abstände in der menschenleeren Natur wurden zwar kürzer, aber immer noch lang genug um diese zu genießen.

Nun war es an der Zeit eine Pause in Solbacken einzulegen. Wir brauchten wieder eine Kleinigkeit zu Essen auf die Hand und was zu trinken. Einen neuen Snack gab es auch gleich dazu der uns vorzüglich mundete. Kartoffelringe mit Schokolade überzogen. Scheint wohl in den Nordischen Ländern der Renner zu sein und ist es nun auch bei uns. Hoffentlich gibts sowas in der ein oder anderen Form auch in Deutschland.
Nach der Stärkung ging es weiter, immer nach Süden und mit bester Laune. Einige Kilometer hinter Östersund gab es eine Sperrung auf der E45, das ist die Transitroute die von Norden bis Süden queer durch Schweden verlief. Also ab von der Schnellstraße und die Umleitung ins Grüne genommen. Auch hier war es keine Strafe sondern eine Belohnung gewesen. Denn die Umleitung stellte sich als ein kleiner Landschaftlicher Höhepunkt heraus.

Der nächste Halt kam im beschaulichen Örtchen Sveg. Dort viel uns gleich die gigantische Holzskulptur eines Bären auf. Diese stand direkt an einer Kreuzung mitten in der Stadt. Irgendwie kam uns dieser Bär bekannt vor und nach einer kurzen Recherche im Internet viel es uns auch wieder ein. Es war der weltgrößte Holzbär der Sveg Megabär wie wir ihn nannten. Dieser ist das Wahrzeichen der Stadt, was daran lag, das in dieser Region Schwedens um die 200 bis 300 Bären leben sollen. In jedem Fall hatten wir kein Interesse nach dem Elch Vorfall auch noch Bären in der Dämmerung zu begegnen.
Aber Dämmerung war das Stichwort, denn nach weiteren Kilometern auf der Straße wurde es langsam dunkel. Zwar war auch der Sonnenuntergang schön anzusehen, aber zugleich mussten wir auch einen neuen Campingplatz finden. Zum Glück ist das schnell passiert und dieser hatte sogar noch offen. Da wir am Ende der Saison waren, ist das natürlich umso schöner, wenn es auf Anhieb klappt und man nicht mehrere Campingplätze ansteuern muss.

Jetzt noch im Halbdunkeln das Zelt aufgebaut und etwas anti Moskito mittel aufgetragen. Denn der Campingplatz war direkt an einem See und sobald das Visier am Helm offen war, kamen die kleinen Blutsauger auch schon. Anschließend ging es noch in die Gemeinschaftsküche, wo wir uns ein köstliches Abendessen aus der Tüte zubereitet haben, ehe es wieder in die Schlafsäcke ging. In weiser Voraussicht wurde auch die Zeltheizung nun bereitgestellt, sodass sie uns die ganze Nacht warm halten konnte und niemand von uns wache schieben musste.

Erschöpft aber mit bester Laune verabschiedeten wir uns von diesem Tag.
