Die Reise in Gefahr
Ein neuer Tag, ein neues Abenteuer. Heute war einer der ersten großen Meilensteine unserer Reise geplant, die Fahrt über den Trollstiegen. Eine Schlucht und eine Serpentinstraße, die zu den absoluten Highlights in Norwegen zählt. Doch bevor es los gehen konnte, ging es wie immer erst mal ans packen des Zeltes und warm einpacken in die Reisekluft. Zu diesem Zeitpunkt waren wir noch so voller Vorfreude auf diesen Abschnitt der Reise, dass nicht mal Regen die gute Laune hätte trüben können. Doch wer hätte zu dem Zeitpunkt gedacht, dass es nicht der Regen ist, der uns den Tag erschweren würde, sondern eine beinahe Katastrophe, die um ein Haar die gesamte Reise zunichte gemacht hätte.

Doch erst mal ging es über Berg und Tal Richtung Trollstiegen. Das Wetter machte natürlich mal wieder was es wollte, von Wolken und Regen über Sonne war alles vertreten. Aber mittlerweile waren wir ja fast alles gewöhnt, damit hatten wir also keine Probleme mehr. Wir hofften aber natürlich, dass bei der Ankunft am Trollstiegen wenigstens für einen Augenblick der Regen aufhören würde. Und genau das tat er.
Endlich am Trollstiegen angekommen wurden erst mal die Twins in Szene gesetzt, direkt vor dem Trollstiegen Denkmal, dann ging es los. Wir schauten uns von einer Besucherplattform diesen atemberaubenden Anblick an. Eine Schlucht wie aus einem Märchen mit den dazugehörigen Wasserfällen. Bei diesem Anblick konnte man verstehen, wieso die alten Nordvölker an Fabelwesen wie Trolle und Feen geglaubt haben. Das Land selbst gibt Grund genug solche Fantasien zu schüren. Für uns einer der schönsten Augenblicke der Reise.

Doch auch wenn es noch so schön war, bleiben konnten wir nicht, denn es lag noch eine lange Reise vor uns.
Nachdem wir die Serpentinen des Trollstiegen hinter uns gebracht hatten, schafften wir noch ca. 90 Kilometer ehe wir eine kurze Trinkpause machten. Wir waren guter Dinge und freuten uns darauf, dass das Wetterradar keinen Regen mehr anzeigte. Somit stand einer entspannten Weiterfahrt nichts mehr im Weg, so dachten wir.
Kaum losgefahren merkte Anselm ein seltsames Fahrverhalten an seiner Twin. Diese fuhr auf dem Hinterrad seltsam schwammig, sodass wir umgehend anhielten und auf einen, neben der Straße gelegenen, Schotterparkplatz fuhren. Wir stiegen ab und schauten was los war und dann der Schock. Der Hinterreifen verlor Luft. Ein zischendes Geräusch in der nähe des Ventils machte klar, hier ist ein Loch im Schlauch. Wir packten also unseren Kompressor aus und versuchten den Reifen wieder aufzupumpen um das Loch genauer zu lokalisieren. Der Mantel schien okay und hatte keine Beschädigung, also blieb uns nichts anderes übrig als den ADAC zu verständigen.

Da uns mitgeteilt wurde, dass es etwas dauern kann, packten wir unseren Gaskocher aus und kochten uns ein Chili Con Carne zu Mittag. Schließlich kam der Abschleppwagen und ein netter Norweger schaute sich die Twin an. Leider konnte er vor Ort auch nicht helfen, daher mussten wir die Twin auf den Abschlepper laden und zur 2 Kilometer entfernten Werkstatt fahren. Wir hatten wirklich großes Glück, dass die Werkstatt im Ort Dombas war, der direkt um die Ecke lag.
Dort angekommen schauten sich noch weitere Kollegen die Twin an. Nach einer Weile wurden wir gefragt ob wir einen Ersatzschlauch dabei hätten. Und genau das war unser Problem. Eigentlich hätten wir Schläuche gehabt, aber diese waren natürlich da wo sie nicht sein sollten, nämlich Zuhause in Deutschland. Bei der Tour nach Kroatien 2020 hatten wir sie dabei, aber aus irgendeinem Grund haben wir sie diesmal vergessen. Das war doppelt dumm da die Werkstatt keinen Ersatzschlauch hatte. Dieser musste erst mal im 50 Kilometer weiter entfernten Ort bestellt werden und wäre erst einen Tag später da.

Die Reise war also erst mal zu Ende für diesen Tag. Auf die Frage auf welchem Zeltplatz wir unsere Zelt aufschlagen könnten wurden wir herzlich dazu eingeladen dies auf der Wiese vor der Werkstatt zu tun. Gesagt getan, wir packten alles aus und bauten das Zelt direkt vor der Werkstatt auf. Man kann also mit Recht davon sprechen, dass wir wohl die aufdringlichsten Kunden waren, die vor der Werkstatt campieren.

Zum Glück war aber die Sonne wieder draußen und auch die Temperaturen lagen über 16 Grad was die Zwangspause zu einem dann doch erholsamen und spaßigen Aufenthalt machte. Wir verließen uns darauf, dass die Dombas Brüder (wie wir die netten Mitarbeiter der Werkstatt nannten) das wieder hin bekommen würden, sodass die Reise morgen weiter gehen könnte. Dennoch blieb ein leicht mulmiges Gefühl erhalten.
Und das alles gibt´s jetzt im nächsten Video zu sehen
