Wir sind allein… mit Elchen…
Die erste Nacht in der Hütte und es war gut so. Es war die beste Idee, endlich mal wieder in einem Bett zu schlafen und nicht das komplette Zelt packen müssen. Nach dem Aufwachen gab es zuerst natürlich den Biker Kaffee und zum Frühstück Uncle Bens Reis. Bei der Menge an Kilometern, die wir uns heute vorgenommen hatten, bedurfte es einer Stärkung jenseits eines Müslis. Dennoch mussten wir erst mal richtig wach werden, ehe es wieder auf die Twins ging. Heute stand ein weiteres großes Highlight der Reise an, und dementsprechend waren wir aufgeregt und voller Vorfreude.

Nun aber alles schnell zusammengepackt und wieder auf den Twins verstaut. So wie geplant ging es auch ziemlich zügig, sodass wir zeitig starten konnten. Weiter vorbei an traumhaften Landschaften, über Brücken und durch Tunnel. Wir waren mehr als glücklich zu erleben, dass auf diesem Teil der Etappe sogar das Wetter mal mitspielte. Die Temperaturen gingen zwar langsam immer weiter runter, aber die Sonne spielte mit und es war eine trockene und angenehme Fahrt.
Nach einigen Kilometern merkten wir, dass die Vegetation sich veränderte. Wo vorher noch Bäume standen und Wälder sich übers Land zogen, wich dies alles einer kargeren Landschaft. Es wurde kälter und windiger und wir merkten langsam, dass wir unserem nächsten großen Meilenstein immer näher kamen.
Jetzt war es so weit, ein Schild kam mit der Aufschrift „Arctic Circle Center“.

Da waren wir nun kurz davor, den Polarkreis zu betreten. Denn das Arctic Circle Center ist in Norwegen der Punkt, an dem wir diesen Breitengrad überschreiten würden.
Als wir vor Monaten die Tour geplant hatten, haben wir uns Bilder dieses Ortes angesehen und uns gesagt „in paar Monaten werden wir hier sein“ und umso intensiver war das Gefühl, es tatsächlich bis hierher geschafft zu haben.
Natürlich wollten wir erst mal einen Kaffee trinken und uns etwas umsehen. Dabei kam auch das ein oder andere kleine Souvenir bei rum. Wenn man es schon bis hierher geschafft hat, dann sollte man sich auch einen Sticker auf das Topcase kleben.

Nun ließen wir die Drohne steigen, um uns einen Überblick über die Landschaft zu machen und das ganze Bild zu erfassen. Und es ist in der Tat eine Einöde. Aber keine, die einen gelangweilt zurücklässt, sondern ein Gefühl von Abenteuer im Magen entstehen ließ. Unweigerlich schoss uns beiden ein Lied von der Band „Polarkreis18“ durch den Kopf. Etwas flach vielleicht, aber uns erheiterte das sehr. Wir schauten uns die Umgebung noch genau an und gingen etwas spazieren. Die Sonne schien und wir hatten Glück, so ein paar tolle Aufnahmen machen zu können.


Doch leider mussten wir auch irgendwann mal wieder weiter. Schließlich lagen noch etliche Kilometer vor uns. Also wieder ab auf die Twins und immer weiter nach Norden. Das Wetter zog sich etwas zu, aber nicht so schlimm. Lediglich etwas Nieselregen kam von oben und die Straße war nass. Das hieß natürlich weiter aufpassen und umsichtig fahren.
Später kamen wir an eine Fähre, um wieder mal überzusetzen. Wir stiegen von den Twins und merkten plötzlich, wie kalt es eigentlich geworden ist. Während der Fahrt und mit Griffheizung merkten wir nichts von der Kälte, aber kaum haben wir die Handschuhe ausgezogen, liefen die Finger rot an. Vermutlich lag es auch daran, dass es klamm war und am Hafen der Wind etwas stärker war als noch auf der Straße. Aber nun mussten wir erst mal auf die Fähre warten und genehmigten uns einen Snack.

Nach der Fähre begann nun der etwas anstrengendere Teil. Es wurde langsam dunkel und der Regen wurde stärker. Normalerweise ist das kein Problem, da wir damit schon genug Erfahrung gemacht hatten. Aber die Sicht wurde immer schlechter bei Nacht und auch die Konzentration ließ dadurch etwas nach. Höchste Zeit einen Zeltplatz anzusteuern.
Und während wir uns noch über unsere Headsets darüber unterhielten, wie weit es zum nächsten Campingplatz ist, bremste Anselm, der vorweg fuhr, scharf. Er rief nur noch laut „Elche auf der Straße“ und hielt an. Im Scheinwerferlicht konnte man klar 3 Elche sehen, die vor uns über die Straße liefen. Erst etwas gemütlicher, dann schneller. Wir waren wirklich beeindruckt, wie groß diese sind, wenn man so nah dran ist.
Nachdem sie die Straße überquert hatten, fuhren wir in Schrittgeschwindigkeit langsam an. Doch dann sah ich aus dem Augenwinkel, dass ein vierter Elch von links auf Anselm zugeschossen kam. Ich konnte nur noch rufen „Gib Gas, ein vierter Elch kommt angerannt“. Wir gaben beide etwas Gas und die Twins brüllten los, sodass der Elch verwundert stehen blieb und wir uns aus dem Gefahrenbereich raus katapultierten.
In unseren Breitengraden hat man es zwar auch mit Wild zu tun, aber das einem ein so mächtiges Tier wie ein Elch über den Weg läuft, ist eher unwahrscheinlich.
Nun war es stockfinstere Nacht, es regnete wie aus Eimern und wir kamen endlich an den Zeltplatz. Schon auf dem Weg dorthin haben wir beschlossen, wieder eine Hütte zu nehmen. Bei dem Wetter wollten wir uns einfach nicht so quälen. Es würden ja auch noch bessere Tage kommen zum Zelten.
Völlig fertig, aber absolut gut gelaunt fielen wir in die Kojen und träumten vom großen Ziel unserer Reise, das nun immer weiter in greifbare Nähe rückte.
